Kantate zum Mitsingen ...
oder
Es geht scheinbar doch!


„... mit einer Bachkantate oder ähnlichem wird das hier wohl so schnell nichts mehr werden, so was schreckt heute erst mal ab ..."So in etwa der Ausspruch eines Gemeindemitgliedes vor einem knappen Jahr. Und vor dem Hintergrund eines sich mehr und mehr etablierenden Gospelchores, der wohl eher eine Generation anspricht, die mit „alter Musik" nichts am Hut hat, vielleicht auch nachvollziehbar.
Aber, weit gefehlt: Die Probe des im Gemeindebriefes und per Aushang für 8./9. Februar angekündigten Chor-Workshops beginnt Samstagnachmittags erst mal mit Schlangestehen. Ca. 50 (!) Interessenten drängen sich vor und im Doppelraum des Gemeindezentrums CK. Auf dem Probenplan kirchliche Gebrauchsmusik: BWV 99 „Was Gott tut, das ist wohlgetan" Kantate für Soli, Orchester und ... CHOR.
Eintragen in die Teilnehmerliste, Notenblatt sichern (es gibt genug), Platz suchen - der Raum ist gut gefüllt.
Wenn man sich umsieht, fällt auf, daß mehr als Zweidrittel der Anwesenden weiblich sind. Der größte Teil kennt sich, doch sonst: Ältere wie Jüngere, St. Johanner und andere, Mitglieder aus besagtem Gospelchor, solche, die schon anderweitig in einem Chor mitgesungen haben, aber auch ganz Unbedarfte. Eine ganz bunt gemischte Truppe. (Warum eigentlich nicht immer so?)
Nach kurzem Einsingen und ersten Versuchen mit dem vierstimmigen Chorsatz wird bald klar, daß gemeinschaftliches Singen viel mit Hinsehen - die Chorleiterin hampelt nicht umsonst herum - und auch Hinhören, gerade auf die übrigen, zu tun hat. Für manchen wohl eine ganz neue Erfahrung.
Nach drei Stunden Probe dann erstes Singen mit Orchester. Kurze Orchestereinleitung, Einsatz ... der Chor schweigt. Wie war das mit dem Hinsehen? Der Könner hat die Noten im Kopf, wir eher den Kopf in den Noten. Aber der Anspruch auf Professionalität ist unsererseits ja gar nicht gewollt.
Nach einer weiteren Stunde klingt es dann schon ganz nett, auch der Einsatz stimmt. Jedenfalls hellt sich das Gesicht der Chorleiterin hin und wieder zusehends auf.
Mit der Ermahnung zum pünktlichen Erscheinen für den nächsten Morgen wird die Runde in den Abend entlassen.
Sonntagmorgen, 9 Uhr: Alle sind da. Pünktlich, wohlgemerkt. Der Elan scheint nach wie vor ungebrochen, auch wenn ein paar verschlafen aussehende Gesichter etwas anderes vortäuschen. Innerhalb einer Stunde noch einmal alles durchproben und dann kann es losgehen. Der Chor singt gut, die Solisten singen (um Welten) besser. Na und, sind ja schließlich Profis.
Am Ende rundherum zufriedene Gesichter. Zu kritisieren gäbe es bestimmt etwas, aber warum sich mit solchen Nebensächlichkeiten den Tag verderben.
Fazit: Schön war's und Spaß hat es gemacht. Alte Musik scheint eben doch nicht so abschreckend zu sein. Zugegeben, das Stück gilt als nicht übermäßig schwierig (zumindest der Chorpart), aber was soll's.
50 Mann/Frau, die vorher noch nicht in dieser Zusammensetzung gesungen haben, in vier Stunden annähernd zu einem Chor formen, das hat was und macht Appetit auf mehr. Es muß ja nicht jede Woche sein, aber …
Der Dank jedenfalls gilt den Organisatoren, und die sollen sich noch einiges vorgenommen haben.
Erwarten wir also, was da noch kommt.

Ein Mitsänger